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Transplantation von Tierorganen?
22.06.2006 - 23:01

Ohne Zweifel wird es Wissenschaftlern eines Tages gelingen, Organe von Tieren genetisch so zu verändern, daß die fremden Organe vom Körper eines Menschen angenommen werden. Auch Risiken wie das, das von Infektionserregern der Tiere ausgeht, werden sich - zum Beispiel durch Klonen - minimieren, vielleicht sogar ganz ausschalten lassen.

Wenn es jetzt manche Forscher für möglich halten, daß bereits in wenigen Jahren Xenotransplantations-Studien der Phase 3 beginnen können, so wird dies viel stärker als bisher mit einer ethischen Diskussion begleitet werden müssen.

Es muß dabei sicherlich auch um die Rechte der Tiere gehen, etwa um die Frage, ob es ethisch vertretbar ist, Tiere als Ersatzteillager für Menschen zu züchten und zu opfern. Es muß aber vor allem darum gehen zu prüfen, ob ein Patient, dem zum Beispiel das Herz eines Schweins eingepflanzt wurde, das Organ auch seelisch verkraftet.

Der wissenschaftliche Erfolg der Xenotransplantation ist greifbar nah. Da aber noch lange nicht klar ist, ob Menschen ein Tierorgan akzeptieren würden, bleiben Zweifel, ob solche Organe tatsächlich - wie erhofft - ein Mittel gegen den Organmangel sein können.



"Xenotransplantation ist näher, als viele vermuten"

Transplantationsmediziner prophezeit Phase-3-Studie in vier Jahren / Herzen von genetisch veränderten Schweinen
BERLIN (nsi). Tierorgane für kranke Menschen: Diese Vision scheint nach erfolgreichen Tierversuchen bald Realität zu werden.

"Die klinische Anwendung der Xenotransplantation ist näher, als die meisten vermuten", sagte Professor Bruno Reichart, Herzchirurg am Klinikum München-Großhadern, bei einer Tagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation in Berlin.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre erwarte er "den entscheidenden Durchbruch", so Professor Christopher McGregor von der Mayo Clinic in Rochester im US-Bundesstaat New York: "Ich glaube, daß wir 2010 mit der Verpflanzung von Schweineherzen in Patienten in der Phase 3 sind." Es gebe bereits Gespräche mit der US-Behörde FDA, um die klinische Anwendung vorzubereiten.

McGregor hat bei der Tagung in Berlin über einen neuen Rekord in der Überlebenszeit von Schweineherzen in Pavianen berichtet. Danach überlebten Tiere mit einem orthotop transplantierten Herz vom Schwein bis zu 96 Tage. Sie starben an nicht-kardialen Ursachen bei guter Herzfunktion und ohne Abstoßungszeichen. Die Spendertiere sind genetisch verändert und bilden einen Hemmstoff des an der Abstoßung beteiligten Komplementsystems. Die Empfänger bekommen Immunsuppressiva.

International und in Deutschland laufen die Bemühungen auf Hochtouren, mehrfach-transgene Schweine zu züchten: Sie sollen humane Komplementhemmer synthetisieren, aber auch Eiweiße, die Apoptose bei Immunzellen einleiten, die sich an das Spenderorgan binden oder Thromben verhindern.

Professor Heiner Niemann von der Bundesforschungsanstalt für Tiere in Mariensee hat bereits genetisch veränderte Schweine erzeugt, die drei solcher humanen Komponenten besitzen.


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