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Diclofenac erhöht Herz-Risiko um 40%
13.09.2006 - 22:01

| 13.09.06, 11:44 |
Der gängige Schmerz- und Entzündungshemmer Diclofenac soll das Risiko von Herzinfarkten stark erhöhen. Das ergibt eine Auswertung von 23 Studien.

Diclofenac gehört zu den verbreitetsten Schmerz- und Entzündungshemmern, die nicht auf Kortison basieren. Mediziner verordnen das Medikament gegen Gelenkserkrankungen wie Rheuma, Gicht und Arthrose aber auch zur Behandlung von Prellungen oder Zerrungen.

Patricia McGettigan von der Universität Newcastle in Australien und Kollegen werteten 23 Studien aus, die Wirkung und Nebenwirkung von nichtsteroidale Entzündungshemmern (NSAR) untersuchten, darunter klassische Arzneimittel und neuer Medikamentenklassen, von denen sich Mediziner weniger Nebeneffekte erhoffen. Insgesamt flossen die Daten von 1,6 Millionen Testpersonen in die Analyse ein.

40 Prozent erhöhtes Risiko

Das Ergebnis weist auf einen medizinischen Skandal hin: Dosierungen von Diclofenac in üblicher Größe können die Gefahr für Herzinfarkt und plötzlichen Herztod um 40 Prozent erhöhen.

Klassische NSAR wie Diclofenac und Ibuprofen wirken, indem sie bestimmte Cyclooxygenase-Enzyme blockieren, die so genannten Cox-2. Sehr ähnliche Enzyme befinden sich jedoch auch im Verdauungstrakt. Da klassische NSAR auch diese hemmen, schlugen die Medikamente den Patienten häufig auf den Magen.

Eine Lösung schienen die selektiven Cox-2-Hemmer zu bieten, die nur die Entzündungs- nicht aber die Magenenzyme blockieren. Das Medikament Vioxx war einer dieser zunächst viel versprechenden Vertreter. Es musste jedoch vom Markt genommen werden, weil sich das Risiko für Herzinfarkt und andere gefährliche Herz-Kreislauf-Probleme unter hoher Dosierung verdoppelte. Schon damals gerieten die auch die älteren NSAR unter Verdacht, riskant für das Herz zu sein. Diese Vermutung bestätigt sich vor allem für Diclofanac.

Hoffen auf neue Medikamente

Wissenschaftler arbeiten weiterhin an neuen Generationen von Entzündungshemmern, die sowohl das Herz als auch den Magen schonen.

Eine jüngst in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie stellt eine neue Substanz vor, die viel versprechend scheint: Garret FitzGerald und seine Kollegen von der University of Pennsylvania konnten zeigen, das der Wirkstoff zumindest in Versuchen mit Mäusen gegen Arthritis wirkt und zugleich vor Arteriosklerose schützt.

(Quelle: Nature)

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