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Aufreger: "Zum Hausbesuch im Notdienst unter der Woche nur noch im Smart?"
05.10.2006 - 20:44

Lieber, geneigter Leser,

diejenigen unter euch, die mich kennen, wissen, daß ich manchmal einen kleinen "Hang zu Palmen" habe, d.h. zum einen eine gewisse "Eigene Weltsicht", zum anderen auch, daß ich schon mal gerne wegen Kleinigkeiten auf die Barrikaden gehezwinkern)

Ich richte eine neue Rubrik unter "Politik und Kurioses" namens "Aufreger der Woche" ein, dort sollen Beiträge und Fundstücke aus dem Internet eingestellt werden, die ich mich/euch nervten- Für diese Beiträge ist die Kommentarfunktion wärmstens ans Herz gelegt, sagt (schreibt) eure Meinung dazu, würde mich sehr interessieren wie ihr das so seht.

Ich fände es schön, wenn sich der eine oder andere zum Kommentieren bereit fände, es ist ganz einfach lachend)
Ebenso gerne werden auch Fundstücke von eurer Seite genommen - bitte sendet diese mittels "Artikel zusenden" oder per Mail an mich.

Viel Spaß und ich hoffe, Ihr habt Freude am Lesen!

Biggi


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Fundstück aus der Ärztezeitung (Kommentare meinerseits sind kursiv eingefügt):

Zitat
Zum Hausbesuch im Notdienst unter der Woche nur noch im Smart?

Dienstplanbesprechung. Einmal im Quartal treffen wir uns und teilen die Notdienstbereitschaft für unser Versorgungsgebiet auf: zuerst die Freitage, dann die Mittwochtage, die Wochenenden und Feiertage, zum Schluß den Rest der Woche. Niemand drängt sich nach den Diensten. Aber: Drückeberger gibt es auch keine. Es funktioniert, weil jeder weiß, daß er auch mal auf einen anderen angewiesen sein kann.


"Jeder niedergelassene Arzt ist grundsätzlich verpflichtet, auch außerhalb der von ihm angebotenen Sprechstunde für seine Patienten erreichbar zu sein oder für eine qualifizierte Vertretung zu sorgen (Präsenzpflicht)." So steht es in Paragraph 1 der Notdienstordnung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). In insgesamt zwölf Paragraphen werden Details geregelt.

Ärgerlich: Für die vor vielen Jahren noch honorierte Hintergrund-Dienstbereitschaft (gilt an Tagen unter der Woche, wenn der Hausarzt nicht erreichbar ist) gibt es keinen Cent mehr.

Aber reichlich Pflichten: "Ein zum organisierten Notdienst ... eingeteilter Vertragsarzt ... muß sich ... im Notdienstbezirk aufhalten und ständig erreichbar sein. Kann er aus zwingenden Gründen ... nicht anwesend sein, so hat er dafür Sorge zu tragen, daß alle Anforderungen zu Behandlungswünschen von Patienten entgegengenommen und ... unverzüglich an ihn weitergeleitet werden (...) Ist der zum Notdienst eingeteilte ...Vertragsarzt ... durch Krankheit oder sonstige wichtige Gründe an der Teilnahme am Notdienst verhindert, hat er von sich aus für eine Vertretung durch einen geeigneten Arzt zu sorgen." (Paragraph 4 Absatz 1 der hessischen Notdienstordnung)

Ist der Wochenenddienst noch oftmals finanziell lukrativ, gestaltet sich der Hintergrunddienst unter der Woche nicht selten zum puren Lebensqualitätszerstörer. Das heißt für den Diensthabenden unbezahltes Warten auf den Notfall, was immer Patienten darunter verstehen mögen.

Manche rufen den Arzt auch wegen einer Lappalie

Wartet der eine mit seiner Gallenkolik bis um acht Uhr morgens, bevor er den Arzt bemüht, scheuen sich andere nicht, den Hintergrunddienst mit Lappalien zu beschäftigen - nicht selten sind es Pflegekräfte in Altenheimen, die sich einem unsagbaren Rückversicherungszwang ausgesetzt sehen. Tritt der echte oder unechte Notfall dann ein und besteht der Patient auf einem Hausbesuch, heißt es ausrücken. In unserem Fall sind Entfernungen bis zu etwa 17 Kilometer einfache Fahrstrecke möglich, worüber Notärzte in manchen Flächenregionen noch schmunzeln mögen.

Heute geht es nach Hosenfeld, Ortsteil Poppenrod. Das sind von Großenlüder aus 14,49 Kilometer einfache Strecke, wie auf www map24 leicht zu ermitteln ist. Die Fahrzeit wird dabei mit 23 Minuten angegeben. Mein Ford Maverick schafft das in der kalkulierten Zeit.

Knapp 29 Kilometer bedeuten gemäß Kostenermittlung im ADAC-Autokatalog 29 mal 55,4 Cent pro Kilometer = 16,06 Euro Fahrtkosten. Bezahlt wird hingegen nur ein Betrag von maximal 8,37 Euro, weil Entfernungen über fünf Kilometer, in der Zeit von acht bis 20 Uhr, nach oben unbegrenzt mit ebendiesem Pauschalbetrag abgegolten sind. Entspricht einem glatten Verlustgeschäft von 7,69 Euro in diesem Fall.

Beim Mittelklassewagen (der Maverick ein Mittelklassewagen??) reicht die KV-Pauschale häufig nicht. Anders wäre die Situation, wenn ich mich in einem Smart Fortwo Coupé pure (so die billigste Variante des Kompaktwagens) (ob der Mann je gelernt hat, Preislisten zu lesen?zwinkern ) zum Notfallort bewegt hätte. Hier ermittelt der ADAC-Rechner 26,7 Cent pro Kilometer als Kosten. Das sind 7,74 Euro für die 29-Kilometer-Strecke. Da bleiben noch 63 Cent als Gewinn. Der allerdings aufgebraucht würde, wenn die gesamte Fahrstrecke, etwa durch eine Umleitung, nur drei Kilometer länger wäre.

Wie sieht nun die Rechnung auf einer Kurzstrecke bis zwei Kilometer aus? Dafür gibt es 2,88 Euro (acht bis 20 Uhr). Und mein Maverick kostet nur 2,21 Euro; "Gewinn" 67 Cent. Mit gut elf Kurzstrecken eine Langstrecke subventionieren? Das kann doch nicht die Lösung sein.

Dazu kommt die EBM-Situation. Für einen Hausbesuch im Notdienst sind die Ziffern 01210 und 01411 in der Regel abrechenbar. Das sind 1700 Punkte, beim durchschnittlichen hessischen Punktwert von 3,6 Cent also 61,20 Euro. Abzüglich der 7,69 Euro Unterdeckung beim Wegegeld auf dem Langstreckeneinsatz 53,51Euro. Doch respektabel, mag man meinen.

Der Zeitaufwand von zweimal 23 Minuten Fahrtzeit und rund 15 Minuten beim Patienten = 61 Minuten relativiert aber das Glücksgefühl. Denn in der gleichen Zeit kann man in der "Come-in-Praxis", setzt man eine durchschnittliche Behandlungszeit von zehn Minuten an, bei sechs Patienten jeweils die EBM-Ziffer 01210 (500 Punkte) = 3000 Punkte = 108,00 Euro abrechnen. Etwas ist faul im System der Notdienstabrechnung.

FAZIT
Wochenenddienste lohnen sich oftmals noch, bei den Diensten an den Wochentagen zählen Vertragsärzte hingegen in vielen Fällen drauf. Denn wenn die Patienten weiter weg von der Praxis wohnen, werden weder die Fahrtkosten ausreichend ersetzt, noch wird der Zeitaufwand angemessen vergütet. Das zeigen Beispielsrechnungen mit den vom ADAC genannten Pkw-Kosten pro Kilometer. Bei Entfernungen über fünf Kilometer im Hintergrunddienst zwischen acht und 20 Uhr reicht das Wegegeld höchstens für einen Smart.




Mir sind ja fast die Tränen gekommen vor lauter Mitleid (ich weiß ja net, ob ihr's wisst....ich habe mir letzte Woche einen Smart ForFour gekauft (dat Mini-Teil ForTwo gefiel mir auch nicht :auslachen: ))

Aber ich wünschte, der arme arme Mann, der diesen tränenvollen Artikel schrieb, könnte mir leid tun *grins*

Immerhin ist der vierradgetriebene Maverick mit mindestens einer 2.3 Ltr-Maschine und 150 PS (min.!) für einen Notfallbesuch etwas überdimensioniert und mit einem "normalen" Mittelklassewagen weder im Verbrauch, noch in den Wartungskosten oder sonstwie zu vergleichen - Tjaja, da sieht man es wieder mal: Es war halt schon immer etwas teuerer, einen "guten" Geschmack zu haben....wäre er besser mal zu Smart gegangen *grins*

Smart fahren heißt smart sparen - vielleicht sollte sich dieser Herr mal aus den Regionen des "Halbgottes in Weiß" auf die "normale Ebene" bewegen?


Zitat aus Spiegel-Online:
Ford gönnt seinem Parade-SUV im Modelljahr 2006 eine kleine Schönheitskur: Das Topmodell, der Maverick Limited mit V6 (203 PS), bekommt lackierte Stoßfänger, Türgriffe und Schweller. Natürlich in Wagenfarbe. Auf Wunsch gibt es das Paket auch für die Einstiegsvariante "Highclass" mit dem 2,3-Liter-Vierzylinder (150 PS).
Verbrauch mal nebenbei mindestens 10 Liter, nach DIN, also locker ein bis zwei Liter mehr im Normalbetrieb, dat is heute auch nimmer zeitgemäß.

Der Einstiegspreis für den "neuen" Maverick liegt bei 25.990 Euro, für das Topmodell werden 32.100 Euro fällig.

Bei sowas erklären sich auch die 2.21 Euro, die seiner Berechnung zugrunde liegen....

Smart fahren heißt smart sparen (obwohl das Ding verflixt auch nicht billig ist, aber wenig verbraucht :rolleyes: ) - vielleicht sollte sich dieser Herr mal aus den "höheren" Regionen auf die "normale Ebene" bewegen?
8o


Ford Maverick


Biggi0001


gedruckt am Heute, 04:30
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