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Psychische Erkrankungen und Beruf

Allgemeine Informationen über Psychische Erkrankungen

Gegenüber anderen Behinderungsarten sind psychische Erkrankungen schwerer zu erkennen. Sie drücken sich in menschlichen Lebensdimensionen aus, die schwer fassbar und nicht medizinisch zu messen sind: Bewusstsein, Denken, Affekt, Beziehung usw. sind subjektive Phänomene, für die es keine genau definierte Norm gibt. Von vielen psychischen Krankheiten sind zudem die Ursachen unbekannt. Deshalb orientieren sich die Diagnosen im klinischen Bereich vordergründig an der Beschreibung des Zustandsbildes und des Verlaufs der Erkrankung.

Ein deutlicher Unterschied zu anderen Behinderungen ist der phasenhafte Verlauf einer psychischen Erkrankung. Relativ unbeeinträchtigte Lebensabschnitte können abrupt oder schleichend durch Phasen akuter Krankheit unterbrochen werden oder in Phasen eingeschränkter Belastbarkeit übergehen.

Die folgende Übersicht gibt einen kurzen Einblick in die Vielfalt der Störungen des Allgemeinbefindens:


  • Erhöhte körperliche und seelische Erschöpfbarkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis; Minderung von Spannkraft, Ausdauer, Schwung, Elan, Geduld; Einbuße an Frische und Unmittelbarkeit; Gefühl erhöhter Anstrengung bei normalen Verrichtungen oder beim Umgang mit Menschen;

  • Vegetative Störungen im Bereich des Essens und der Verdauung; Herz-Kreislaufbeschwerden; Veränderungen der Speichel-, Schweiß- und Talgdrüsensekretion; Libido- und Menstruationsstörungen; oft übermäßiger Nikotin- und Alkoholgenuss;

  • Störungen der Wahrnehmung in Form von Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen, sensorische Überwachheit und Fesselung durch Wahrnehmungsdetails;

  • Kognitive Störungen im Bereich des Kurz- und Langzeitgedächtnisses und der Konzentration; häufige Neigung zum Grübeln, Einbuße an Naivität und Unbefangenheit, Entschlussschwäche mit Impulsverarmung und Unfähigkeit, Unwichtiges zu übersehen;

  • Soziale Störungen in Form von mangelnder Kontaktfähigkeit und Neigung zu sozialem Rückzug, aber auch in Form von Distanzlosigkeit;
    Störungen der Affekte und Gefühle in Form von Verstimmungen, der Unfähigkeit, sich zu freuen, dem Gefühl der Gefühllosigkeit; oft bestehen eine erhöhte Erregbarkeit und Beeindruckbarkeit, z.B. durch Witterungsempfindlichkeit; Verlust von Selbstvertrauen, in Verbindung mit einer erhöhten Verletzbarkeit gegenüber bestimmten Stressoren, wie z. B. Unter-/Überforderung, soziale Kränkungen und Ungerechtigkeit.

Psychisch behinderten Menschen sieht man ihre Krankheit meistens nicht an. Im Umgang mit anderen können jedoch Schwierigkeiten auftreten, weil psychisch Erkrankte oft anders reagieren, als man es in der jeweiligen Situation erwartet. Vielfältige Störungen des Erlebens drücken sich z. B. in Stimmungsschwankungen, Einschränkungen der Initiative und Ausdauer sowie verminderter Kontaktfähigkeit aus. Die Bandbreite psychischer Erkrankungen reicht von leichten Formen mit geringen, über lange Zeit gleich bleibenden Verhaltensauffälligkeiten bis zu schweren Störungen, die wiederholte stationäre Behandlung erfordern.

Was ist bei der Berufswahl zu beachten?

Zur Berufswahl sind fast immer mehrere Gespräche mit den Fachkräften des Arbeitsamtes anzuraten sowie Untersuchungen durch den ärztlichen und psychologischen Dienst.

Die Wahl des richtigen Berufs ist abhängig von den persönlichen Interessen, dem Schulabschluss und der individuellen Situation.

Bei psychisch erkrankten Menschen ist der Einstieg in die Berufswelt sehr viel mehr von Rückschlägen und Abbrüchen bedroht. Kreativität und Einfallsreichtum sind daher von den Begleitern gefragt bei der Suche nach einem stabilen Lebenskonzept. Überforderung durch berufliche Aufgaben, auch durch einen 8-Stunden-Tag, und Kontaktschwierigkeiten können leicht zu Misserfolgen führen.

Eine eingehende Untersuchung des individuellen Leistungsvermögens und der sozialen Eingliederungsfähigkeit hilft, die richtige Entscheidung zu treffen. Auch psycho-soziale Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen bieten begleitende Hilfe bei Fragen zur Berufswahl an und unterstützen bei Problemen während der Berufsausbildung. So lässt sich mancher Ausbildungsabbruch bereits im Vorfeld vermeiden.

Viele psychisch Erkrankte haben ein starkes Kontaktbedürfnis. Dieser Umstand ist zu begrüßen und z. B. durch gezielte Gruppenarbeit zu fördern. Dennoch erscheinen Berufe mit häufigem Publikumsverkehr ungünstig, da sie Reizüberflutung hervorrufen können. Auch Tätigkeiten, bei denen psychisch erkrankte Menschen ständig mit Konflikten konfrontiert werden oder diese sogar selbst lösen sollen, erscheinen ungeeignet. Arbeiten unter ständigem Zeitdruck oder mit Stressbelastung (z. B. Schichtarbeit) sollten ebenfalls vermieden werden.

Um das Risiko möglicher Misserfolge einzugrenzen, ist es manchmal ratsam, als Ausbildungsziel nicht gleich die höchstmögliche Qualifikationsstufe anzustreben, sondern vielleicht eine Stufe niedriger zu beginnen. Das Anstreben einer höheren Qualifikationsstufe kann dann im Rahmen der Fortbildung erfolgen. So wird eine langsame Gewöhnung an größere Belastungen möglich. Hier können Berufstrainingszentren wertvolle Unterstützung leisten.





Berufschancen - welche Berufe kommen in Frage?

Wesentlich für Erfolg und Zufriedenheit im Arbeitsleben ist es, wenn die persönlichen Vorstellungen mit den jeweiligen Anforderungen im Beruf in Einklang stehen.

In jedem Falle sollte die Berufswahlentscheidung in Rücksprache mit den Fachkräften des Arbeitsamtes, psycho-sozialen Beratungsstellen, Berufstrainingszentren oder Integrationsfachdiensten sowie auf Basis einer individuellen Beurteilung durch den ärztlichen und psychologischen Dienst des Arbeitsamtes erfolgen.

Abhängig von Art und Ausmaß der psychischen Erkrankung und den möglichen körperlichen Begleiterscheinungen können zum Beispiel folgende Berufsbereiche bzw. Berufe in Frage kommen:

Holzwirtschaft
z. B.: Tischler/in, Rollladen- und Jalousiebauer/in
Gartenbau
z. B.: Gärtner/in
Tierwirtschaft
z. B.: Tierpfleger/in, Tierwirt/in
Materialverarbeitung
z. B.: Naturwerksteinmechaniker/in
Hauswirtschaft
z. B.: Hauswirtschafter/in
Gestaltung
z. B.: Steinmetz/in und Steinbildhauer/in, Maler/in und Lackierer/in, Metallbildner/in, Glasveredler/in
Büro, Verwaltung
z. B.: Bürokaufmann/-frau, Rechtsanwaltsfachangestellte/r, Sozialversicherungsfachangestellte/r, Fachangestellte/r für Bürokommunikation
Textilindustrie
z. B.: Damen-/Herrenschneider/in, Schmucktextilienhersteller/in
Metall, Elektro
z. B.: Metallbauer/in, Elektroinstallateur/in, Elektromechaniker/in
Informations- und Kommunikationstechnik
z. B.: Kommunikationselektroniker/in, Informationselektroniker/in, IT-Systemelektroniker/in
Im Einzelfall kann eine spezielle Anpassung des Arbeitsplatzes an die Gegebenheiten einer psychischen Erkrankung erforderlich sein (durch behinderungsgerechte Ausgestaltung des Arbeitsplatzes, organisatorische Maßnahmen, wie z. B. Teilzeitarbeit, Arbeitsassistenz). Eventuell ist auch der Zugang zu Teilaufgaben oder Spezialisierungen in diesen Berufen möglich.

Darüber hinaus können weitere Berufe in Betracht gezogen werden, die sich einerseits für Personen mit psychischen Erkrankungen eignen sowie andererseits deren persönliche berufliche Wünsche und Neigungen erfüllen.

Liegen die entsprechenden schulischen Bildungsvoraussetzungen vor, so kann in den genannten Bereichen auch eine schulische Ausbildung oder ein Studium zu einem geeigneten Berufsziel führen.





Beratung - Hilfen - Förderungen

Für alle Fragen rund um Ausbildung und Beruf stehen Ihnen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Arbeitsämtern mit Rat und Tat zur Seite.

Umfassende Beratung in einem persönlichen Gespräch
Für die besonderen Belange von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen stehen speziell geschulte Berater und Beraterinnen zur Verfügung. In einem ausführlichen Gespräch können am besten ganz persönliche berufliche Fragen besprochen werden. Vereinbaren Sie einen Termin für eine Einzelberatung und bringen Sie - soweit vorhanden - eine Diagnose des Arztes mit.

Sie wollen sich unverbindlich informieren?
Im Berufsinformationszentrum (BIZ) des Arbeitsamtes kann man sich ohne Anmeldung kostenlos mit Hilfe unterschiedlichster Medien wie Filme, Dias, Broschüren, Computerprogramme, Hörkassetten, Informationsmappen, Bücher und Zeitschriften über verschiedene Berufe informieren. Bei Fragen helfen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des BIZ gerne weiter.

Welche konkreten Hilfen kann das Arbeitsamt bieten?
Die Mitarbeiter der Reha-Teams in den Arbeitsämtern sind bei der Suche nach einer geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsstelle behilflich. Ist z. B. für den Einstieg in eine berufliche Ausbildung besondere Unterstützung erforderlich, so können sie auch in eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme vermitteln, um so die Chancen für eine Ausbildung zu verbessern. Des Weiteren informieren sie darüber, welche Möglichkeiten der finanziellen Förderung es gibt und welche Leistungen für Sie persönlich in Frage kommen.

Eine Beratung lohnt sich auf jeden Fall!

Weitere nützliche Informationen und Hilfen erhalten Sie bei:
Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e. V. (BAPK)
Thomas-Mann-Straße 49 a, 53111 Bonn,
Tel. 02 28/63 26 46, Fax 02 28/65 80 63,
http://team.solution.de/gsf/kuckuck/bapk.html

Dachverband Psychosozialer Hilfsvereinigungen e. V.
Thomas-Mann-Straße 49 a, 53111 Bonn,
Tel. 02 28/63 26 46, Fax 02 28/65 80 63,
http://www.psychiatrie.de/dachverband/Default.htm

Psychische Erkrankungen und Beruf
Datum:   13.05.2006
Author:   Biggi0001
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