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Akupunktur zur Behandlung von Rücken- und Knieschmerzen wird Kassenleistung

Düsseldorf, 18. April 2006 – Gesetzlich versicherte Patienten mit chronischen Rücken- oder Knieschmerzen können künftig grundsätzlich eine Akupunkturbehandlung mit Nadeln als Regelleistung ihrer Krankenkasse beanspruchen.

Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) amDienstag in Düsseldorf.

„Die Akupunktur kann nun als Teil einer umfassenden Schmerztherapie von der Gesetzlichen Krankenversicherung angeboten werden. Wir legen jedoch Wert darauf, dass hierbei hohe Qualitätsanforderungen erfüllt werden“, sagte der Vor-sitzende des G-BA, Dr. Rainer Hess. Ein hohes Niveau der ärztlichen Qualifikation bei der Schmerztherapie habe der G-BA in seinem Beschluss ausdrücklich her-vorgehoben. „Dies kommt unmittelbar den Patienten zugute.“Die Entscheidung des G-BA basiert auf den Ergebnissen aus zwei Modellprojekten, bei denen die Wirksamkeit von Akupunktur zur Behandlung von Rücken-,Knie- und Kopfschmerzen in breit angelegten Studien über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht wurden.

Den Studienergebnissen zufolge liegt die Erfolgsrate der traditionellen chinesischen Akupunktur (TCM, „echte“ Akupunktur) bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen nicht wesentlich höher als die der Schein-Akupunktur, bei der bewusst „falsche“ Punkte gestochen wurden.Beide Akupunkturformen zeigten jedoch deutlich bessere Erfolge als die Stan-dardtherapie.Bei der Behandlung von Schmerzen des Kniegelenkes waren die Schein-Akupunktur und die „echte“ Akupunktur in ihrer Wirkstärke in den meisten Stu-dien annähernd vergleichbar. Beide waren zudem der Standardtherapie ebenfalls deutlich überlegen.

Für die Behandlung der Spannungskopfschmerzen und der Migräne wurden zwischen der Behandlung mit beiden Akupunkturformen und der Standardtherapie zur Vorbeugung dieser Beschwerden keine Unterschiede festgestellt. Für dieseErkrankung konnte die Akupunktur deshalb nicht als Kassenleistung anerkannt werden.

„Obwohl insgesamt kein eindeutiger Nachweis der Überlegenheit der „echten“ Akupunktur vorliegt, haben wir im Interesse der Patienten und mit Blick auf dieVersorgungssituation in der Schmerztherapie eine positive Entscheidung getrof-fen. Die Studienergebnisse zeigen, dass sowohl die „echte“ als auch die Schein-Akupunktur bei der Behandlung von Rücken- und Knieschmerzen besser hilft alsdie angebotene Standardtherapie. Deshalb hat der G-BA entschieden, dass Pati-enten die Akupunkturbehandlung als Kassenleistung erhalten sollen“, sagte Hess.

Die Patientenvertreter sprachen sich für die Aufnahme der Akupunktur bei allen drei Indikationen in den Leistungskatalog aus, also auch bei Kopfschmerz. Nach Ansicht der Patientenvertreter sei bei allen drei Erkrankungen die Überlegenheit der Akupunktur im Vergleich zur schulmedizinischen Schmerzbehandlung nach-gewiesen worden. Die Patientenvertreter haben im G-BA Mitberatungs-, aber keinStimmrecht. Der Beschluss des G-BA wird in Kürze im Internet auf der Seite http://www.g-ba.de/cms/front_content.php?idcat=56veröffentlicht und tritt nacherfolgter Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit und Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft.

Hintergrundinformationen zum Thema finden Sie hier: http://www.g-ba.de/cms/upload/pdf/news/2006-04-19-Hintergrund_Akupunktur.pdfHintergrund „Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)“:Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser undKrankenkassen (G-BA) ist das wichtigste Gremium der medizinischen Selbstverwaltung in Deutschland.

Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für etwa 70 Millionen Menschen. Der G-BA legt fest, welche Leistungen der medizinischen Versorgung von der GKV erstattet werden. Rechtsgrundlage für die Arbeit des G-BA ist Paragraph 91 desfünften Sozialgesetzbuches (SGB V). Während das Parlament durch Gesetze den gesundheitspolitischen Rahmen der medizinischen Versorgung vorgibt, ist es die Hauptaufgabe des G-BA, innerhalb dieses Rahmens Details für die konkrete Umsetzung in der Praxis festzulegen. Die von ihm beschlossenen Richtlinien haben den Charakter untergesetzlicher Normen und sind für alle Akteure der GKV bindend.

Bei seinen Entscheidungen berücksichtigt der G-BA den aktuellen Stand der me-dizinischen Erkenntnisse und untersucht den diagnostischen oder therapeuti-schen Nutzen, die medizinische Notwendigkeit und die Wirtschaftlichkeit einerLeistung aus dem Pflichtkatalog der Krankenkassen. Zudem hat der G-BA weitere wichtige Aufgaben im Bereich des Qualitätsmanagement und der Qualitätssiche-rung im ambulanten und stationären Leistungssektor des Gesundheitswesens. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.g-ba.de.

Akupunktur zur Behandlung von Rücken- und Knieschmerzen wird Kassenleistung
Datum:   12.06.2006
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