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Cochlea - Implantat: Nutzen und Risiken

Die amerikanische Aufsichtsbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel FDA (Food and Drug Administration), die dem amerikanischen Ministerium für Gesundheit und Soziales untersteht, hat im Oktober 2004 ausführliche Informationen über das Cochlea-Implantat veröffentlicht, die Sie im Original nachlesen können.

Im folgenden Text wird der Abschnitt Nutzen und Risiken (benefits and risks) in deutscher Übersetzung vorgestellt.

Zitat
Nutzen und Risiken des Cochlea-Implantats


Nachfolgend:
- Nutzen des Cochlea-Implantats
- Risiken des Cochlea-Implantats
- Allgemeines Narkoserisiko
- Risiken bei der Implantatoperation
- Weitere Risiken beim Gebrauch des Cochlea-Implantats

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Nutzen des Cochlea-Implantats

Für Implantat-Träger:

Die Hörerfolge sind sehr unterschiedlich. Es kann sein, dass der Patient Sprache fast wie mit normalem Hörvermögen versteht. Ebenso kann es sein, dass man keinerlei Hörerfolg erzielt. Innerhalb dieser Bandbreite ist alles möglich.

Bei Erwachsenen stellt sich oft sofort nach der Erstanpassung ein Hörerfolg ein, der sich innerhalb von drei Monaten weiter verbessert. Danach verbessert sich der Hörerfolg zwar kontinuierlich, doch die Fortschritte sind langsamer. Die allmähliche Verbesserung des Hörvermögens kann sich über mehrere Jahre erstrecken.

Bei Kindern kann sich der Erfolg langsamer einstellen. Nach der Implantation ist ein intensives Training nötig, damit das Kind lernt, mit den neuen, ungewohnten "Höreindrücken" umzugehen

Die meisten Patienten können unterschiedliche Lautstärken (laut, mittel, leise) wahrnehmen. Patientenberichten zufolge können auch unterschiedliche Geräusche erkannt werden wie Schritte, Türschlagen, Motorengeräusche, Telefonläuten, Hundegebell, Teekesselpfeifen, Blätterrascheln, das Klicken eines Lichtschalters, wenn er ein- oder ausgeschaltet wird, und so weiter.

Viele verstehen Sprache ohne Lippenabsehen. Doch selbst, wenn ein freies Sprachverstehen nicht möglich ist, ist das CI beim Lippenabsehen eine Hilfe.

Viele können telefonieren und bekannte Stimmen am Telefon verstehen. Einige Patienten mit besonders gutem Hörerfolg können ganz normal Telefongespräche führen und sogar fremde Sprecher verstehen. Allerdings können nicht alle CI-Träger telefonieren.

Für viele ist das CI auch beim Fernsehen eine Erleichterung, insbesondere wenn das Gesicht des Sprechers zu sehen ist. Radiosendungen sind hingegen meist schwerer zu verstehen, da sie keine visuelle Unterstützung bieten.

Einige können Musik hören und genießen. Andere können nur den Klang bestimmter Instrumente (z.B. Klavier oder Gitarre) bzw. Gesangstimmen erkennen und genießen. Wiederum andere hören nicht gut genug, um sich an Musik zu erfreuen.

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Risiken des Cochlea-Implantats

Allgemeines Narkoserisiko
Bei der Anästhesie wird durch Narkotika ein künstlicher Schlaf herbeigeführt. Diese Narkotika (Gase oder Injektionsnarkotika) können unterschiedliche Wirkungen auf Patienten haben. Für die meisten ist das Narkoserisiko sehr gering. Für Menschen mit besonderen gesundheitlichen Problemen ist das Risiko dagegen höher.


Risiken bei der Implantatoperation

Verletzung des Gesichtsnervs: Dieser Nerv führt durch das Mittelohr und kontrolliert die Gesichtsmuskulatur. Er liegt nahe an der Stelle, an der das Implantat eingesetzt werden muss, und kann deshalb während der OP verletzt werden. Ist dies der Fall, kann die Gesichtsmuskulatur auf der Implantatseite vorübergehend oder dauerhaft erschlaffen. Es kann aber auch zur vollständigen Lähmung kommen.

Meningitis: Hirnhautentzündung. Menschen mit einer abnormen Innenohrstruktur haben möglicherweise ein höheres Risiko für diese seltene, aber gefährliche Komplikation. Weitere Informationen über das Meningitisrisiko bei Patienten, die ein Cochlea-Implantat erhalten sollen, können Sie in folgendem Link der amerikanischen Aufsichtsbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel FDA einsehen: http://www.fda.gov/cdrh/safety/cochlear.html

Aussickern von Liquor cerebrospinalis: Das Gehirn ist von einer Flüssigkeit umgeben, die in Folge der Operation aussickern kann. Es kann ein Loch im Innenohr oder ein Loch in den weichen Hirnhäuten, die das Gehirn umgeben, entstanden sein.

Aussickern von perilympher Flüssigkeit: Im Innenohr (Cochlea) befindet sich eine Flüssigkeit. Diese kann durch das Loch, das bei der Operation für das Implantat geschaffen werden muss, aussickern.

Infektion der Hautwunde

Blut- und Wundwasseransammlung im Wundbereich

Schwindelanfälle

Tinnitus: das sind klingelnde oder summende Ohrgeräusche

Störungen im Geschmackssinn: Der Nerv für die Geschmackswahrnehmung auf der Zunge läuft ebenfalls durch das Mittelohr und kann bei der Operation verletzt werden.
Taubheitsgefühl im Bereich der Wunde am Ohr

Reparatives Granulom: Das ist die Folge einer lokalen Entzündung, die entstehen kann, wenn der Körper das Implantat abstößt.

Bei Langzeitimplantaten kann es zu weiteren unvorhersehbaren Komplikationen kommen, die momentan nicht prognostizierbar sind.


Weitere Risiken für Implantat-Träger beim Gebrauch des Cochlea-Implantats

Die Höreindrücke können verfremdet sein. Laut Berichten von CI-Trägern, die vor der Ertaubung hören konnten, unterscheiden sich die Höreindrücke über CI von den Höreindrücken mit normalem Gehör. Zunächst beschreiben CI-Träger den Klang als „mechanisch“, „technisch“ oder „synthetisch“. Im Laufe der Zeit verändert sich dieser Eindruck jedoch, und die meisten CI-Träger nehmen nach einigen Wochen diese künstliche Klangqualität nicht mehr wahr.

Das vorhandene Gehör kann verloren gehen. Das Implantat kann den Hörrest in dem Ohr, in dem das Implantat eingesetzt wird, zerstören.

CI-Träger können Wirkungen verspüren, deren Ursachen nicht bekannt und bestimmbar sind. Das Cochlea-Implantat stimuliert die Nerven unmittelbar durch elektrische Stromimpulse. Diese Stimulation scheint zwar sicher zu sein, doch die Langzeitwirkung der elektrischen Impulse auf die Nerven ist nicht bekannt.

Der Hörerfolg kann schlechter ausfallen als bei anderen, die gute Hörerfolge mit dem CI erzielen.

Der CI-Träger erzielt möglicherweise kein gutes Sprachverständnis. Es gibt keinen Test, der vor der Operation abklären kann, wie gut das Sprachverständnis nach der Operation sein wird.

Das Implantat muss möglicherweise zeitweise oder dauerhaft entfernt werden, wenn nach der Implantatoperation eine Entzündung entsteht. Diese Komplikation ist allerdings selten.
Das Implantat kann möglicherweise nicht funktionieren. In diesem Fall müsste sich der CI-Patient einer erneuten Operation unterziehen, damit das Problem gelöst werden kann. Dadurch würde er erneut den Operationsrisiken ausgesetzt.

Neu entwickeltes externes Zubehör kann möglicherweise nicht verwendet werden. Die implantierten Komponenten sind in der Regel mit verbessertem externen Zubehör kompatibel. So können Implantat-Träger am technologischen Fortschritt teilhaben, indem sie einfach das externe Zubehör auswechseln. In einigen Fällen wird dies jedoch nicht möglich sein und das Implantat muss ausgetauscht werden.

Manche medizinischen Untersuchungen und Therapien sind nicht mehr möglich.
Dazu gehören:

Magnetresonanztomographie (Kernspin-Tomographie - MRT). Die MRT wird zunehmend routinemäßig bei der diagnostischen Abklärung zur Früherkennung von Krankheiten eingesetzt. Für CI-Träger ist es bereits gefährlich, sich auch nur in der Nähe des Untersuchungsraumes aufzuhalten, denn es kann zu einer Drehung bzw. Verlagerung des CI kommen oder der Implantatmagnet kann entmagnetisiert werden. Das FDA (am. Aufsichtsbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel) hat jedoch für einige Implantate bestimmte MRT-Untersuchungen unter Berücksichtigung von Vorsichtsmaßnahmen genehmigt.

Neurostimulation
Elektrische Chirurgie
Elektrokonvulsive Therapie
Therapie mit ionisierender Strahlung

Implantat-Träger sind auf Batterien angewiesen, wenn sie hören wollen. Für manche Zubehörteile braucht man täglich neue oder wieder aufgeladene Batterien.

Implantate können beschädigt werden. Bei Sportarten mit Körperkontakt, durch Autounfälle, Stürze oder andere Stoßverletzungen im Ohrbereich kann es zu Schädigungen des Implantates kommen. Dadurch kann ein neues Implantat und somit eine erneute Operation nötig werden. Ob das neue Implantat ebenso gut funktionieren wird wie das alte, ist ungewiss.

Implantate können sich als kostspielig erweisen. Der Ersatz von beschädigtem oder verloren gegangenem Zubehör kann teuer werden.

Ein Implantat-Träger ist sein Leben lang auf das CI angewiesen. Es kann jedoch der Fall eintreten, dass die CI-Herstellerfirma noch zu Lebzeiten des CI-Trägers den Betrieb einstellt. Ob der CI-Träger dann weiterhin Ersatzteile erhalten oder den Kundendienst in Anspruch nehmen kann, ist nicht gewährleistet.

CI-Träger müssen möglicherweise ihre Lebensgewohnheiten ändern, da das CI elektronische Geräte beeinflusst.

Ein Implantat
- kann bei kommerziellen Diebstahlsicherungen Alarm auslösen.
- kann bei Metalldetektoren oder anderen Sicherheitssystemen Alarm auslösen.
- kann durch die Mobiltelefone anderer Leute oder durch andere Sender gestört werden.
- muss möglicherweise bei Flugreisen während des Startes und während der Landung abgeschaltet werden.
- kann nicht prognostizierbare Wechselwirkungen mit anderen Computersystemen haben.

Implantat-Träger müssen sich vor elektrostatischer Aufladung in Acht nehmen. Eine elektrostatische Aufladung kann das Cochlea-Implantat zeitweise stören oder sogar gänzlich zerstören. Am besten macht man es sich zum Prinzip, den Sprachprozessor sowie das HdO-Set abzulegen, bevor man statisch aufladbare Materialien wie Kinderspielzeug aus Plastik, die Bildschirme von Fernsehern oder Computern sowie Textilien aus Kunstfasern berührt. Weitere Informationen über elektrostatische Aufladung im Zusammenhang mit dem CI erhalten Sie beim Hersteller oder bei einem CI-Zentrum.

Die Fähigkeit, leise und laute Höreindrücke wahrnehmen zu können, ist möglicherweise eingeschränkt, wenn beim Sprachprozessor eine bestimmte Empfindlichkeitseinstellung gewählt wurde und die Einstellung nicht der sich verändernden Hörumgebung angepasst wird. Beim normalen Gehör passt das Gehirn die Hörempfindlichkeit stets den sich verändernden Höreindrücken an. Ein Cochlea-Implantat ist jedoch so konstruiert, dass der Träger die Empfindlichkeitseinstellung am Sprachprozessor per Hand regulieren muss, wenn sich die Hörumgebung verändert.

Es können Hautreizungen auftreten, wenn Teile des externen Zubehörs an der Haut reiben. Dann dürfen diese Teile vorübergehend nicht benutzt werden.

Das externe Zubehör darf nicht nass werden.Bei einem Wasserschaden kann die Reparatur teuer werden. Zudem kann man in dieser Zeit nicht hören. Deshalb sollte das gesamte externe Zubehör grundsätzlich vor dem Baden, Duschen, Schwimmen oder beim Wassersport abgelegt werden.

In der unmittelbaren Nähe von Magnetfeldern, zum Beispiel bei Metalldetektoren am Flughafen, nehmen CI-Träger gelegentlich eigenartige Geräusche wahr.


Quelle: FDA

Weitere Info:

http://de.wikipedia.org/wiki/Cochleaimplantat
http://www.kestner.de/n/elternhilfe/verschiedenes/ci-risiken.htm
http://www.kestner.de/n/verschiedenes/presse/2006/dfg-matinee-goettingen.htm

Forumsdiskussion Cochlea-Implantat

Cochlea - Implantat: Nutzen und Risiken
Datum:   07.10.2006
Author:   Biggi0001
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