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Funktionelle Störungen (vegetative Dystonie, - Labilität, psychosomatische Störungen)

FUNKTIONELLE ODER BEFINDLICHKEITSSTÖRUNGEN

Eine sehr interessante Ein- bzw. Ausführung zum Thema Funktionelle oder Befindlichkeitsstörungen!

Aus: Prof. Dr. med. Volker Faust: FUNKTIONELLE ODER BEFINDLICHKEITSSTÖRUNGEN

Funktionelle oder Befindlichkeitsstörungen sind überwiegend körperliche Beschwerdebilder ohne krankhaften Befund. Sie können sich in praktisch allen Organsystemen äußern. Beschwerdebild, Ursachen und Hintergründe gehören zu den schwierigsten Kapiteln seelischen, psychosozialen und psychosomatischen Leids. Das macht Diagnose und Therapie so schwierig und führt zu endlosen "Grenzbefunden", zu zahlreichen Durch- und Kontrolluntersuchungen und in manchen Fällen zu einer unseligen "Patientenkarriere" mit hoher Belastung für den Betroffenen, seine Angehörigen, Freunde und Arbeitskollegen. Auch die wirtschaftlichen Folgekosten sind enorm. Was steht dahinter und was kann man tun?

Es gibt kaum ein Beschwerdebild, das einerseits so häufig anzutreffen und andererseits so schwer zu fassen, d. h. zu beschreiben, zuzuordnen und letztlich zu behandeln ist wie körperliche Störungen ohne objektivierbaren organischen Befund. Deshalb ist die Zahl der bedeutungsgleichen bzw. -ähnlichen Fachbegriffe auch so groß (siehe unten). Am besten zu umschreiben und deshalb auch am ehesten zu merken sind die Fachbegriffe funktionelle Störungen bzw. Befindlichkeitsstörungen.

Die wichtigsten Fachbegriffe

So vielschichtig die funktionellen oder Befindlichkeitsstörungen sind, so groß ist auch die Zahl der Fachbegriffe. Die meisten stammen aus früheren Zeiten, viele sind aber auch heute noch im Umlauf. Die neuesten Klassifikationen sprechen von sogenannten somatoformen Störungen als moderner Überbegriff (vom griechischen: soma = Körper, Leib und lateinischen: forma = Form, Gestalt), also von Störungen, die sich körperlich ausdrücken, aber in Wirklichkeit keine organische, sondern seelische Ursache haben. Und man spricht von Somatisierungsstörungen, die den hier erläuterten funktionellen oder Befindlichkeitsstörungen am ehesten entsprechen.

Nachfolgend aber erst einmal eine Auswahl der wichtigsten Fachbegriffe, die alle das Gleiche meinen: Seelische Störungen, die sich in körperlichen Beschwerden äußern, ohne dass sich ein organischer Befund finden lässt:

Befindlichkeitsstörungen; funktionelle Störungen oder Erkrankungen; funktionelle Syndrome; Funktionsstörungen; Disstreß; Hypochondrie (falsch: hat nichts im eigentliche Sinne mit funktionellen Störungen zu tun, wird aber in der Allgemeinheit gerne gleichgesetzt); larvierte Depression; multiples Beschwerdesyndrom; multiple psychosomatische Störungen; Nervenschwäche; nervöse Erschöpfung; nervöser Erschöpfungszustand; Neurasthenie; neurasthenische Erschöpfung; Organneurose (?); Psychasthenie; psychogenes Syndrom; psycho-physischer Erschöpfungszustand; psycho-vegetatives Erschöpfungssyndrom; psychovegetatives Syndrom; Somatisation; Somatisierungsstörung (moderner Fachbegriff); somatoforme autonome Funktionsstörungen; somatoforme Störung (moderner Überbegriff); Streß-Syndrom; umschriebene differenzierte sensomotorische Konversionssymptome; undifferenziert-psychovegetative Beschwerden; undifferenzierte psychosomatische Störung; vegetative Dystonie; vegetative Labilität; vegetative Neurose; vegetative Stigmatisation; vegetativ-endokrines Syndrom.



Körperlich - seelisch - psychosomatisch

Bei allen diesen Störungen handelt es sich also zum einen um ein nicht-faßbares körperliches Beschwerdebild, d.h. es ist meist "nur" die Funktion eines Organs betroffen, ansonsten liegt kein ursächlicher Schaden vor. Trotzdem - und das ist der zweite begriffliche Hinweis -, hat dieses Beschwerdebild für den Betroffenen eine spezielle Funktion, d. h. es ist nicht sinnlos und stellt sogar einen Lösungsversuch dar, wenn auch einen unzureichenden.

Funktionelle Störungen werden vor allem durch seelische und psychosoziale Belastungen ausgelöst und unterhalten. Damit sind sie gleichsam der unzulängliche Bewältigungsversuch für ungelöste Konflikte.

Das Leiden ist von den Betroffenen manchmal schwer zu schildern und auf ärztlicher Seite deshalb auch schwer zu fassen, auf jeden Fall kaum abgrenzbar. Die Symptome reichen von exakt lokalisierbar (z. B. Herz-, Hals- oder Kopfschmerzen) bis hin zu vagen Empfindungen, die zudem noch ständig wechseln oder wandern können. Nicht selten findet man ein diffuses Ineinanderfließen von körperlichen Beschwerden und rein seelisch empfundenen Symptomen wie Angst, Unruhe, Unlust u. a. Die meisten leiden zudem nicht nur unter einer einzigen oder wenigen Störungen/Beschwerden, wie dies bei "echten" Körperfunktionsstörungen die Regel ist. Deshalb lassen sich organische Beschwerdebilder auch relativ gut eingrenzen und erscheinen halbwegs typisch. Bei körperlichen Störungen auf seelischer Grundlage hingegen sind es meist mehrere Krankheitszeichen, manchmal sogar viele und nicht selten der erwähnte Wechsel oder das sonderbare Wandern von Arzt zu Arzt. Das macht das ganze einerseits noch quälender, andererseits auch peinlicher, denn "man kann nichts Handfestes vorweisen".

Eine große Gefahr ist in diesem Zusammenhang die Chronifizierung, d. h. das Beschwerdebild droht nicht mehr zurückzugehen. Ein solcher quälender Dauerzustand mit möglicherweise auch noch wechselnden Beschwerden macht natürlich Angst, macht resigniert, niedergeschlagen, mutlos, ratlos und hoffnungslos. Daraus entsteht dann eine unselige Mischung, die die verbliebenen Selbstheilungskräfte langfristig blockiert.

Das Beschwerdebild
Wie bei vielen Krankheitsbildern kann man auch bei den funktionellen oder Befindlichkeitsstörungen bei genauem Nachfassen unterscheiden zwischen rein seelischen Beschwerden und rein körperlichen Beeinträchtigungen sowie einem psychosomatischen (bzw. psychosozialen) Mittelfeld, in das beides einfließt:

o Auf überwiegend seelischem Gebiet finden sich vor allem
- Gemütslabilität (bis hin zu ernsten depressiven Verstimmungen),
- unbegründete Ängstlichkeit (bis hin zu ausgeprägten Angst-Symptomen),
- Nervosität, innere Unruhe, Überempfindlichkeit, Reizbarkeit (früher treffend als "reizbare Schwäche" bezeichnet),
- Lustlosigkeit, Unentschlossenheit, schnelle Ermüdbarkeit, schließlich Schwunglosigkeit, mangelnde Belastbarkeit und Abgeschlagenheit,
- das Nachlassen von Merk- und Konzentrationsleistung bis hin zu störender Vergeßlichkeit u.a.

o Bei den überwiegend körperlichen Symptomen belasten besonders die sogenannten unspezifischen Allgemeinsymptome:

- generelles Unbehagen und Unwohlsein,
- allgemeine, vor allem körperliche Müdigkeit, Mattigkeit und Abgeschlagenheit mit rascher Erschöpfbarkeit, - Kopfdruck oder Kopfschmerzen, besonders vom Nacken zum Hinterhaupt ausstrahlend,
- Schwindel (bzw. meist als "so als ob schwindelig" bezeichnet),
- Benommenheit, und zwar weniger seelisch, mehr körperlich interpretierbar, gelegentlich bis zur "Ohnmachtsnähe",
- Ohrensausen, Ohrendruck,
- Augenflimmern, Sehstörungen, Schleier und Schwarzwerden vor den Augen,
- Druckgefühl oder Kloß im Hals,
- Herzklopfen, Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlag, Druck- und Engegefühle bzw. "Krämpfe" im Herzbereich (bis hin zur Ausstrahlung in die Arme, besonders linksseitig),
- Atemenge, gelegentlich sogar Erstickungsgefühle, auf jeden Fall der Zwang, tief einatmen zu müssen (aber nicht zu können), gelegentlich auch hechelnde Atmung (Hyperventilation) oder ständiges Gähnen,
- Appetitmangel, Aufstoßen, Völlegefühl, Übelkeit, Brechreiz, "Krämpfe" im Magen-Darm-Bereich, Nahrungsverwertungsstörungen mit Blähungen, ferner Durchfallneigung oder Verstopfung u. a.
- vorübergehendes Aussetzen oder gar völliges Ausbleiben der Regel bzw. eine zu häufige oder unregelmäßige Monatsblutung,
- sexuelle Unlust bis zur sexuellen Leistungsschwäche (Libido- und Potenzstörungen), ggf. Vaginismus (Scheidenkrampf) und "Frigidität",
- Harndrang, häufiges Wasserlassen,
- abnorme Hautempfindungen, Jucken, Brennen, Prickeln, Taubheitsgefühle, Ausschläge, ständiges Wundsein,
- Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Kältegefühle, "Mangeldurchblutung" (periphere Durchblutungsstörungen),
- Schlafstörungen, vor allem Ein- und Durchschlafstörungen, seltener Früh
erwachen, - Muskelverspannungen, Muskelkrämpfe,
- Beschwerden im Bereich von Wirbelsäule und Gelenken,
- Stottern, Tics,
- Haarausfall, Nägelbrüchigkeit, trockene oder zu feuchte Haut.

Am häufigsten finden sich derzeit Kopfschmerzen, Oberbauchbeschwerden, Ermüdung/Erschöpfung, gefolgt von Schmerzen im Bereich von Muskeln, Wirbelsäule und Gelenken, dazu Herz- sowie Magen- und Darmbeschwerden, Appetit- und Eßstörungen. Danach kommen Schweißausbrüche, "Mangeldurchblutung", Schwindel oder gar "Ohnmachtsnähe" sowie Schluckstörungen, Erbrechen/Übelkeit, Hautsymptome, Libidostörungen, Stottern und Tics, Beschwerden im Blasenbereich sowie Atemenge. Am seltensten sind Vaginismus und die ohnehin umstrittene Frigidität sowie Potenzstörungen.

Zugenommen haben in den letzten Jahren offenbar die Phänomene Ermüdung/Erschöpfung, Muskel- und Gelenk- bzw. Wirbelsäulenbeschwerden, Appetit- und Eßstörungen, Schweißausbrüche, "Mangeldurchblutung" und Hautsymptome. Etwas zurückgegangen sind dafür Kopfschmerzen und Oberbauchbeschwerden, die früher eine größere Bedeutung hatten.

weiterlesen über
Häufigkeit
Ursachen und Verlauf
Folgen
Vorbeugung und Therapie
bei Prof. Dr. med. Volker Faust
auf

Funktionelle Störungen (vegetative Dystonie, - Labilität, psychosomatische Störungen)
Datum:   08.10.2006
Author:   Biggi0001
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