Häufig wird es aus falschem Scham versäumt, steuerliche Vorteile die für Behinderte und Kranke gewährt werden, in Anspruch zu nehmen. Im Nachhinein ist es dann schwierig, die notwendigen Nachweise für das Finanzamt zu erbringen.

Das Einkommensteuergesetz sieht eine Vielzahl von Steuervergünstigungen unterschiedlichster Art und Ausprägung, sowohl für die behinderte Person wie auch für den etwaigen Unterstützung leistenden Familienangehörigen, vor. Voraussetzung ist, dass eine dauerhafte Behinderung amtlich festgestellt wird.

Die Bescheinigung erfolgt dann beispielsweise durch Ausstellung eines Behindertenausweises durch das Versorgungsamt. Der Ausweis informiert u.a. über die Schwere bzw. den Grad der Behinderung. Für Pflegebedürftige ist die Einstufung in die jeweilige Pflegestufe von Bedeutung. Der steuerliche Vorteil wird i.d.R. erstmals für das Jahr der Antragstellung gewährt, d.h. für das Jahr in dem die Behinderung amtlich festgestellt wurde.

Den behinderten Personen können je nach dem Grad der Behinderung steuerliche Vorteile durch Berücksichtigung eines Behindertenpauschbetrages oder der tatsächlichen Aufwendungen, welche durch die Behinderung entstanden sind (z. B. erhöhte Fahrtkostenaufwendungen), gewährt werden. Der Bundesfinanzamthof hat mit Urteil vom 4.11.2004 (AZ: IV R 26/03) entschieden, dass entweder der Behindertenpauschbetrag oder die behinderungsbedingten Einzelkosten im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen geltend gemacht werden können. Bei Ansatz der tatsächlichen Kosten erfolgt jedoch der Abzug einer zumutbaren Eigenbelastung (§ 33 EStG).


Grad der Behinderung
Pauschbetrag

25% - 30%
310,00 €

35% - 40%
430,00 €

45% - 50%
570,00 €

55% - 60%
720,00 €

65% - 70%
890,00 €

75% - 80%
1.060,00 €

85% - 90%
1.230,00 €

95% - 100%
1.420,00 €

Blinde und Hilflose
3.700,00 €


Geh- und Stehbehinderte (Behinderung von 80% oder mit Merkzeichen G, aG oder H und mindestens 70%) können die Aufwendungen für die durch die Behinderung veranlassten unvermeidbaren Fahrten in angemessenem Rahmen geltend machen. Ohne Nachweis wird ein km-Aufwand von 3.000 km anerkannt. Darüber hinaus wird der erhöhte km-Satz – wie bei Dienstreisen – für die Fahrten von und zur Arbeitsstätte gewährt. Dies neben dem Behindertenpauschbetrag.


Pauschsätze je Entfernungskilometer beim Weg zur Arbeit:

Pkw
0,60 €

Motorrad/ Motorroller
0,26 €

Moped/ Mofa
0,16 €

Fahrrad
0,10 €


Behinderte können zudem die Parkgebühren als Werbungskosten ansetzen. Des Weiteren steht ihnen der Ansatz eventueller Straßenbenutzungsgebühren oder Schadensersatzleistungen zu, die im Rahmen eines Verkehrsunfalls entstanden sind.

Bei außergewöhnlich Gehbehinderten, Blinden und Hilflosen (Ausweismerkzeichen aG, BI und H) können grundsätzlich alle Kraftfahrzeugkosten, also nicht nur die unvermeidbaren Kosten zur Erledigung privater Angelegenheiten, sondern auch die Kosten für Erholungs-, Freizeit- und Besuchsfahrten, in der Regel insgesamt bis zu 15.000 km jährlich geltend gemacht werden. Als km-Satz werden pauschal 0,30 € - 3000 km also ein Aufwand von 900 €, bei 15.000 km ein Aufwand von 4.500 € - zugrunde gelegt. Tatsächliche höhere Aufwendungen werden durch das Finanzamt nicht anerkannt.

Schwerbehinderte mit einem Grad der Behinderung von wenigstens 50, aber weniger als 70 können die Kosten geltend machen, wenn die Fahrten ausschließlich wegen der Behinderung notwendig geworden sind (z. B. Fahrten zur Apotheke oder Massage). Sie müssen einen entsprechenden Nachweis (Fahrtenbuch, Aufstellung) führen.

Anstelle der Kosten für ein eigenes Kraftfahrzeug können auch Taxikosten in angemessenem Umfang geltend gemacht werden. Macht ein Gehbehinderter neben den Aufwendungen für Privatfahrten mit dem eigenen Pkw auch solche für andere Verkehrsmittel (z. B. Taxi) geltend, so ist die als angemessen anzusehende jährliche Fahrleistung von 3.000 km bzw. von 15000 km entsprechend zu kürzen. Bei behinderten Kindern können die Kfz-Kosten auch bei den Eltern berücksichtigt werden, wenn sie bei ihrem behinderten Kind entstanden sind und der dem Kind eigentlich zustehende Behinderten-Pauschbetrag auf die Eltern übertragen worden ist. Dies gilt jedoch nur für solche Fahrten an denen das behinderte Kind selbst teilgenommen hat (z. B. zur Schule, zur Werkstatt für Behinderte, zu Therapiemaßnahmen oder zu Behörden). Aufwendungen, die Eltern für den Erwerb der Fahrerlaubnis ihres mittellosen, schwer steh- und gehbehinderten Kindes getragen haben, sind ebenfalls abzugsfähig.

Nachweis
Schwerbehindertenausweis, Feststellungsbescheid des Versorgungsamtes, ggf. Rentenbescheid, Fahrtenbuch

Neben dem Pauschbetrag können jedoch auch außerordentliche Krankheitskosten steuerlich berücksichtigt werden, z. B. Kosten einer Operation, auch wenn diese mit dem Leiden zusammenhängt, das die Behinderung bewirkt oder verursacht hat.

Das Gleiche gilt für Kuren, wenn die Notwendigkeit durch ein vor Antritt der Kur ausgestelltes amtsärztliches Attest nachgewiesen wird und am Kurort eine Heilbehandlung unter ärztlicher Kontrolle erfolgt. Von der Vorlage eines vor Kurantritt ausgestellten amtsärztlichen Zeugnisses kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn feststeht, dass eine gesetzliche Krankenkasse die Notwendigkeit festgestellt hat. Dies ist in der Regel der Fall, wenn sie einen Zuschuss zu den Kosten für Unterkunft und Verpflegung gewährt hat. Voraussetzung ist in beiden Fällen, dass eine Kostenübernahme nicht durch andere Stellen erfolgt und die Aufwendungen die zumutbare Belastung übersteigen.

Bei Kosten für sogenannte Außenseitermethoden (z. B. Akupunktur), die durch einen Arzt oder zugelassenen Heilpraktiker verordnet werden, muss der Amtsarzt vor der Behandlung bestätigen, dass diese wegen der Krankheit oder Behinderung angebracht sind. Laufende und typische durch die Behinderung verursachte Krankheitskosten sind durch den Pauschbetrag nach § 33b EStG abgegolten. Als Nachweis dient eine Bescheinigung über Krankheitskosten, Kurkosten, amtsärztliches Attest oder Bescheinigung der Krankenkasse.

Auch Eltern Behinderter oder Kinder die einen pflegebedürftigen Elternteil pflegen, haben Anspruch auf Steuervergünstigungen.

Wichtig ist, dass die Aufwendungen bereits im ersten Jahr der Feststellung in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Dies auch dann, wenn der Behindertenausweis zwar beantragt, aber noch nicht ausgestellt wurde.

Ist die Steuererklärung bereits abgegeben und der Steuerbescheid bestandskräftig, können im nachhinein keine Aufwendungen mehr für das betreffende Jahr geltend gemacht werden. Dies gilt auch dann, wenn der Ausweis dem Behinderten erst nach Abgabe der Steuererklärung ausgestellt wurde.

Quelle: http://www.steuer-gonze.de/mandinfo/agb/behinderte.htm