Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben/Rehabilitation

Die Leistungen zur Rehabilitation der Rentenversicherungsträger (z.B. LVA und BfA), im weiteren Text mit RV bezeichnet, umfassen nicht nur medizinische Maßnahmen, sondern im Hinblick auf das Ziel, die Erlangung der beruflichen Eingliederung, insbesondere auch Leistungen für die Teilhabe am Arbeitsleben. Der genaue Inhalt dieser Leistungen und der Weg dorthin ist im Gegensatz zur medizinischen Rehabilitation häufig nicht oder nicht genügend bekannt.

Wer kommt für Leistungen der Teilhabe am Arbeitsleben durch die Rentenversicherung in Frage?

1. Jeder, bei dem auf Dauer gesundheitliche Einschränkungen mit Auswirkungen auf die Arbeit ärztlicherseits feststehen (chronische Krankheiten). Juristisch gesagt: eine erhebliche Minderung oder eine erhebliche Gefährdung der Erwerbstätigkeit liegt vor und

2. bei dem voraussichtlich die Beseitigung der Auswirkungen durch Leistungen der Teilhabe möglich ist sowie

3. gleichzeitig bei der Antragstellung bestimmte rentenversicherungsrechtliche Voraussetzungen erfüllt sind (15 Jahre Pflichtversicherungszeit in der RV, oder die RV ist Kostenträger der medizinischen Rehabilitation und berufliche Rehabilitation ist im Anschluss daran notwendig oder zur Zeit wird eine Rente wegen verminderter Erwerbstätigkeit durch die RV gezahlt)

Wie wird die RV auf die Notwendigkeit von Leistungen zur Teilhabe
aufmerksam?


Oft geben Arztberichte einen Hinweis für die RV zur Prüfung von berufsfördernden Leistungen. Sie als Betroffener müssen jedoch bei der RV einen schriftlichen Antrag stellen (Formblätter hierfür sind bei der Sozial/Rehabilitationsberatung erhältlich).

Erfolgversprechend ist Ihr Antrag, wenn die Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten von ärztlicher Seite befürwortet werden (z.B. im ausführlichen ärztlichen Abschlußbericht). Mit Ihrem Antrag geben Sie rechtlich gesehen gegenüber der Rentenversicherung eine Willenserklärung ab: "Ich bin der Meinung, dass die bisher getroffenen Maßnahmen nicht ausreichen, um meine Erwerbsfähigkeit zu erhalten, ich möchte vorsichtshalber weitere, ausdrücklich Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben erhalten und hiermit bei der Rentenversicherung beantragen".

Bei der Auswahl von geeigneten Leistungen gilt es Alter, Eignung, Neigung und die bisherige Berufstätigkeit ebenso zu berücksichtigen wie Ihre persönlichen, gesundheitlichen und sozialen Verhältnisse und die regionale sowie allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt. Regelmäßig sind daher vor der Bewilligung von konkreten Leistungen mehrere Beratungsgespräche unter anderem auch gemeinsam mit Reha-Fachberatern des Arbeitsamtes notwendig.

Sie können in dem Antragsformular entweder konkret einen speziellen Ausbildungs- oder Finanzierungswunsch äußern - oder auch dieses zunächst offen halten. Letzteres empfiehlt sich, wenn Sie selbst noch nicht genau wissen, welche möglichen Leistungen der RV Ihnen zusagen, aber Sie in jedem Fall sicher sind, Ihre bisherige Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bis zur Erreichung der
Regelaltersrente fortsetzen zu können.

Warum finanziert die Renten-versicherung berufliche Hilfen?

Ziel ist die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags zur gesellschaftlichen
Wiedereingliederung chronisch Kranker verbunden mit der Vermeidung von
Frühberentungen . Die Leistungen zur Rehabilitation haben Vorrang vor der Gewährung von vorzeitigen Renten und Renten wegen Erwerbsminderung, der Versicherte hat eine gesetzlich umschriebene Verpflichtung zur Mitwirkung bei der Beantragung und der Leistungserbringung.

Ist die grundsätzliche Notwendigkeit von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben von der Rentenversicherung anerkannt, aber noch kein konkreter Ausbildungs-, Fortbildungs- oder Umschulungswunsch realistisch umsetzbar, kann die RV z.B. eine 14-tägige Arbeitser-probung und Berufsfindungsmaßnahme in einem Berufs-Förderungswerk, einem Ausbildungszentrum für berufliche Rehabilitation, finanzieren. Ziel dieser Maßnahme ist regelmäßig eine größere Entscheidungssicherheit für Sie und die RV vor Beginn einer längerfristig angelegten beruflichen Neuorientierung/Umschulung.

Was sind mögliche Leistungen der Teilhabe am Arbeitsleben?

  • Zuschüsse an Arbeitgeber für die Bereitstellung eines dauerhaften
    gesundheitsgerechten Arbeitsplatzes oder für eine Probebeschäftigung bei Neueinstellung oder für technische Arbeitshilfen

  • Anlernmaßnahmen/Reintegrationsmaßnahmen bei gesundheitlich bedingter Langzeitarbeitslosigkeit

  • Berufsvorbereitung (Auffrischung schulischer Kenntnisse, Schließen von Wissenslücken, "lernen, lernen", Vermittlung von berufsspezifischem
    Grundwissen)

  • berufliche Anpassung, Fort- und Weiterbildung, Ausbildung und Umschulung

  • sonstige Hilfen der Arbeits- und Berufsförderung


Erfährt mein Arbeitgeber etwas und wann?

Ihr Betrieb oder auch Ihr Betriebsarzt werden nur informiert, wenn Sie dies wünschen und schriftlich Ihr Einverständnis zur Kontaktaufnahme geben.

Merke:


  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben durch die RV werden nur aus
    gesundheitlichen Gründen bei Erfüllung bestimmter versicherungsrechtlicher
    Voraussetzungen gewährt

  • Leistungen erfolgen nur nach schriftlichem Antrag und nach Bewilligung durch die
    RV

  • Informationen, Auskunft und Beratung durch die örtlichen Fachberater für Rehabilitation der LVA/BfA oder durch die Fachberater für Rehabilitation des örtlichen Arbeitsamtes an Ihrem Wohnort.

  • Information, Auskunft und Beratung ist auch bei Arbeitsunfähigkeit
    (Krankschreibung) oder bei bestehendem Arbeitsverhältnis/Arbeitsvertrag möglich!

  • Nach dem seit 1.07.2001 gültigen Rehabilitationsgesetzbuch SGB IX hat jeder Ratsuchende auch das Recht sich kostenlos an eine gemeinsame Service- und Beratungsstelle für Rehabilitation zu wenden. Diese sind Bundesweit in jeder Stadt und in jedem Landkreis eingerichtet. Adressen und Telefonnummern gibt es bei Ihrer zuständigen RV.


Ausführliche Information in der Broschüre Leistungen zur Teilhabe der Rentenversicherung