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Zur Verordnungsfähigkeit rezeptfreier Arzneimittel (OTC-Ausnahmeliste)
19.01.2006 - 19:25 keine Kommentare News weiter empfehlen Druckansicht
Zur Verordnungsfähigkeit rezeptfreier Arzneimittel (OTC-Ausnahmeliste) Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses

Verordnungsfähigkeit rezeptfreier Arzneimittel (OTC-Ausnahmeliste)


Apothekenpflichtige nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Eine Verordnung dieser Arzneimittel ist jedoch ausnahmsweise zulässig, wenn sie bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten.

Wann gilt eine Krankheit als schwerwiegend?
Eine Krankheit gilt als schwerwiegend, wenn sie lebensbedrohlich ist oder wenn sie aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörung die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt.


Wann gehört ein Arzneimittel zum Therapiestandard?
Ein Arzneimittel gilt als Therapiestandard, wenn der therapeutische Nutzen zur Behandlung der schwerwiegenden Erkrankung dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entspricht.


Dürfen auch homöopathische Arzneimittel verordnet werden?

Der Arzt kann bei schwerwiegenden Erkrankungen auch Arzneimittel der Anthroposophie und Homöopathie verordnen, sofern die Anwendung dieser Arzneimittel für diese Indikationsgebiete nach dem Erkenntnisstand als Therapiestandard in der jeweiligen Therapierichtung angezeigt ist.

Dürfen nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel verordnet werden, wenn sie begleitend zu einer medikamentösen Haupttherapie eingesetzt werden?
Der Arzt kann ein nicht verschreibungspflichtiges Arzneimittel verordnen, wenn es in der Fachinformation des Hauptarzneimittels als Begleitmedikation zwingend vorgeschrieben ist.

Dürfen nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel zur Behandlung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) verordnet werden?
Der Arzt kann ein nicht verschreibungspflichtiges Arzneimittel verordnen, wenn es zur Behandlung von schwerwiegenden UAW eingesetzt wird. Als schwerwiegend gelten UAW, wenn sie lebensbedrohlich sind oder wenn sie aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörung die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigen.


Schwerwiegende Erkrankungen und Standardtherapeutika zu deren Behandlung




Abführmittel
Indikation:

- nur zur Behandlung von Erkrankungen im Zusammenhang mit Tumorleiden, Megacolon, Divertikulose, Divertikulitis, Mukviszidose, neurogene Darmlähmung, vor diagnostischen Eingriffen, bei phosphatbindender Medikation bei chronischer Niereninsuffizienz, Opiat- sowie Opioidtherapie und in der Terminalphase


Acetylsalicylsäure (bis 300 mg/Dosiseinheit)
Indikation:

- als Thrombozyten-Aggegationshemmer in der Nachsorge von Herzinfarkt und Schlaganfall so wie nach arteriellen Eingriffen


Acetylsalicylsäure und Paracetamol
Indikation:

- nur zur Behandlung schwerer und schwerster Schmerzen in Co-Medikation mit Opioiden


Acidosetherapeutika
Indikation:

- nur zur Behandlung von dialysepflichtiger Nephropathie und chronischer Niereninsuffizienz sowie bei Neoblase


Antihistaminika
Indikation:

- nur in Notfallsets zur Behandlung bei Bienen-, Wespen-, Hornissengift-Allergien
- nur zur Behandlung schwerer, rezidivierender Urticarien
- nur bei schwerwiegendem, anhaltendem Pruritus


Antimykotika
Indikation:

- nur zur Behandlung von Pilzinfektionen im Mund- und Rachenraum


Antiseptika und Gleitmittel
Indikation:

- nur für Patienten mit Selbstkatheterisierung


Arzneistofffreie Injektions/Infusions-, Träger- und Elektrolytlösungen
Calciumverbindungen (mind. 300 mg Calcium-Ion/ Dosiereinheit) und Vitamin D (freie oder fixe Kombination)

Indikation:

- nur zur Behandlung der manifesten Osteoporose
- nur zeitgleich zur Steroidtherapie bei Erkrankungen, die voraussichtlich einer mindestens sechsmonatigen Steroidtherapie in einer Dosis von wenigstens 7,5 mg Prednisolonäquivalent bedürfen
- bei Biophosphonat-Behandlung gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit


Calciumverbindungen (mind. 300mg Calcium-Ionen/Dosiseinheit)
Indikation:

als Monopräparate nur

- bei Pseudohypo- und Hypoparathyreodismus
- bei Biophosphonat-Behandlung gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit


Citrate
Indikation:

- nur zur Behandlung von Harnkonkrementen


E. coli Stamm Nissle 1917
Indikation:

- nur zur Behandlung der Colitis ulcerosa in der Remissionsphase bei Unverträglichkeit von Mesalazin


Eisen-(II)-Verbindungen
Indikation:

- nur zur Behandlung von gesicherter Eisenmangelanämie


Flohsamenschalen
Indikation:

- nur zur unterstützenden Quellmittel-Behandlung bei Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom und HIV-assoziierte Diarrhoen


Folsäure und Folinate
Indikation:

- nur bei Therapie mit Folsäureantagonisten sowie zur Behandlung des kolorektalen Karzinoms


Gingko biloba blätter-Extrakt (Aceton-Wasser-Auszug, standardisiert)
Indikation:

- nur zur Behandlung der Demenz


Hypericum perforatum-Extrakt (hydroalkoholischer Extrakt, mind. 300 mg pro Applikationsform)
Indikation:

- nur zur Behandlung mittelschwerer depressiver Episoden


Iodid
Indikation:

- nur zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen


Iod-Verbindungen
Indikation:

- nur zur Behandlung von Ulcera und Dekubitalgeschwüren


Kaliumverbindungen als Monopräparate
Indikation:

- nur zur Behandlung der Hypokaliämie


Lactulose und Lactitol
Indikation:

- nur zur Senkung der enteralen Ammoniakresorption bei Leberversagen im Zusammenhang mit der hepatischen Enzephalopathie


Lösungen zur parenteralen Ernährung
Indikation:

- Lösungen und Emulsionen zur parenteralen Ernährung einschließlich der Notwendigen Vitamine und Spurenelemente


Magnesiumverbindungen, oral
Indikation:

- nur bei angeborenen Magnesiumverlusterkrankungen


Magnesiumverbindungen, parenteral
Indikation:

- nur zur Behandlung bei nachgewiesenem Magnesiummangel und zur Behandlung bei erhöhtem Eklampsierisiko


Metixenhydrochlorid
Indikation:

- nur zur Behandlung des Parkinson-Syndroms


Mistel-Präparate, parenteral, auf Mistellektin normiert
Indikation:

- nur in der palliativen Therapie von malignen Tumoren zur Verbesserung der Lebensqualität


Niclosamid
Indikation:

- nur zur Behandlung von Bandwurmbefall


Nystatin
Indikation:

- nur zur Behandlung von Mykosen bei immunsupprimierten Patienten


Ornithinaspartat
Indikation:

- nur zur Behandlung des hepatischen (Prae-)Coma und der episodischen, hepatischen Enzephalopathie


Pankreasenzyme
Indikation:

- nur zur Behandlung chronischer, exokriner Pankreasinsuffizienz oder Mukoviszidose


Phosphatbinder
Indikation:

- nur zur Behandlung der Hyperphosphatämie bei chronischer Niereninsuffizienz und Dialyse


Phosphatverbindungen
Indikation:

- bei Hypophosphatämie, die durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann


Salicylsäurehaltige Zubereitungen
Indikation:

- in der Dermatotherapie als Teil der Behandlung der Psoriasis und hyperkeratotischer Ekzeme


Synthetischer Speichel
Indikation:

- nur zur Behandlung krankheitsbedingter Mundtrockenheit bei onkologischen oder Autoimmun-Erkrankungen


Synthetische Tränenflüssigkeit
Indikation:

- bei Autoimmun-Erkrankungen (Sjögren-Syndrom mit deutlichen Funktionsstörungen des Grades 2, Epidermolysis bullosa, occulärem Pemphigoid), Fehlen oder Schädigung der Tränendrüse, Fazialisparese oder bei Lagophtalmus


Vitamin K als Monopräparate
Indikation:

- nur bei nachgewiesenem, schwerwiegendem Vitaminmangel, der durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann


Wasserlösliche Vitamine auch in Kombinationen
Indikation:

- nur bei der Dialyse


Wasserlösliche Vitamine, Benfotiamin und Folsäure als Monopräparate
Indikation:

- nur bei nachgewiesenem, schwerwiegendem Vitaminmangel, der durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann (Folsäure: 5 mg/ Dosiseinheit)


Zinkverbindungen als Monopräparat
Indikation:

- nur zur Behandlung der enteropathischen Akrodermatitis und durch Haemodialysebehandlung bedingten nachgewiesenen Zinkmangel
- zur Hemmung der Kupferaufnahme bei Morbus Wilson


Arzneimittel zur sofortigen Anwendung
- Antidote bei akuten Vergiftungen
- Lokalanaesthetika zur Injektion


Apothekenpflichtige nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, die im Rahmen der ärztlichen Behandlung zur sofortigen Anwendung in der Praxis verfügbar sein müssen, können verordnet werden, wenn entsprechende Vereinbarungen zwischen den Verbänden der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigungen getroffen werden



Topische Anästhetika und / oder Antiseptika
Indikation:

- nur zur Selbstbehandlung schwerwiegender generalisierter blasenbildender Hauterkrankungen (z.B. Epidermolysis bullosa, hereditaria; Pemphigus)


L-Methionin
Indikation:

- nur zur Vermeidung der Steinneubildung bei Phosphatsteinen bei neurogener Blasenlähmung, wenn Ernährungsempfehlungen und Blasenentleerungstraining erfolglos geblieben sind


Levocarnitin
Indikation:

- nur zur Behandlung bei endogenem Carnitinmangel



Butylscopolamin, parental
Indikation:

- nur zur Behandlung in der Palliativmedizin
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Birgit Dreiskemper
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